Somatoforme autonome Funktionsstörung


Merkmale

Die Beschwerden der somatoformen autonomen Funktionsstörung lassen sich in zwei Symptomgruppen unterteilen:

Die erste Symptomgruppe ist das zentrale Charakteristikum und äußert sich in hartnäckigen und störenden vegetativen Symptomen, wie Herzklopfen, Schwitzen, Zittern und Erröten, die auch objektiv feststellbar sind. Die häufigsten Beschwerden beziehen sich auf das kardiovaskuläre System („Herzneurose“), das respiratorische System (psychogene Hyperventilation und Singultus) und das gastrointestinale System („Magenneurose“ und „nervöser Durchfall“).

Die zweite Symptomgruppe der somatoformen autonomen Funktionsstörung umfasst Beschwerden, die von den Betroffenen sehr subjektiv und unspezifisch beschrieben werden, wie etwa fließende Schmerzen, Brennen, Gefühl von Schwere oder Enge oder das Gefühl aufgebläht oder auseinandergezogen zu werden. Diese Beschwerden werden vom Betroffenen einem bestimmten Organ oder System zugeordnet, beispielsweise dem vegetativen Nervensystem.

Ein weiteres Merkmal der somatoformen autonomen Funktionsstörung ist die anhaltende Beschäftigung der Betroffenen mit der Möglichkeit an einer Krankheit zu leiden, die die Ursache für die störenden Symptome sind, selbst wenn bereits mehrere Untersuchungen keine Ergebnisse erbracht haben. Eine somatoforme autonome Funktionsstörung tritt häufig gleichzeitig mit anderen psychischen Erkrankungen wie einer Angststörung oder Depression auf. Auch psychische Belastungen, wie Probleme im Beruf, in der Familie oder Geldsorgen scheinen bei einigen Betroffenen einen Zusammenhang zu der Störung aufzuweisen.

Verlauf

Eine somatoforme autonome Funktionsstörung zeigt häufig einen chronischen Verlauf, da oft Jahre vergehen bis die Störung richtig diagnostiziert und behandelt wird. Da die Erkrankung mit Beschwerden verbunden ist, die körperliche Ursachen vermuten lassen, werden meist über Jahre medizinische Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt, die jedoch zu keiner Besserung führen. Bei einer somatoformen autonomen Funktionsstörung kann im weiteren Verlauf häufig ein Wechsel der vorhandenen Symptome bzw. der zugrundeliegenden Organe oder Systeme beobachtet werden. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein Betroffener zunächst über Herzbeschwerden klagt und zu einem späteren Zeitpunkt über Magenbeschwerden berichtet.

Zahlen

Somatoforme Störungen sind extrem weit verbreitet. In Deutschland erkranken ca. 80% im Laufe ihres Lebens an einer somatoformen Störung. 15% der Bevölkerung sind zum momentanen Zeitpunkt behandlungsbedürftig. Bei Patienten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden, sind ca. 30% von somatoformen Störungen betroffen. Nicht selten bleibt die Störung jedoch unerkannt und somit auch unbehandelt.

Subtypen

Bei diesem Störungsbild werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Die Therapie der somatoformen Störungen, wie der somatoformen autonomen Funktionsstörung, erfordert ein multimodales Vorgehen, bei dem der Patient umfassend betreut wird. Es gibt z.B. spezialisierte psychosomatische Kliniken, die dem Patienten eine mehrwöchige stationäre Behandlung bieten bei der verschiedene Therapieansätze zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich ist als erster Schritt der Behandlung eine umfassende Psychoedukation notwendig. Der Patient wird dabei über das Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Faktoren und Prozessen aufgeklärt und lernt seine Symptome besser zu erkennen und einzuschätzen. In der Therapie wird gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Erklärungsmodell erarbeitet, das auch die psychischen Komponenten der Störung betrachtet. Besonders wichtig ist es, dem Patienten zu vermitteln, dass „psychisch bedingt“ nicht bedeutet, dass sie „verrückt“ oder „geistesgestört“ sind (wie es diese Patientengruppe gerne ausdrückt).

Durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen soll der Patient einen besseren Umgang mit seinen Beschwerden lernen, negative kognitive Muster verändern, Vermeidungsverhalten (z.B. eingeschränkte Aktivität aufgrund von Schmerzen) reduzieren und seine Ressourcen stärken. In Kombination mit verhaltenstherapeutischen Methoden werden häufig Entspannungsverfahren zur Therapie der somatoformen autonomen Funktionsstörung verwendet. Die bekanntesten Verfahren sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, das Autogene Training, sowie Biofeedback.

In einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie liegt der Schwerpunkt auf der Aufarbeitung von traumatisierenden Kindheitserfahrungen, Bindungsproblematiken und seelischen Konflikten, die zur Aufrechterhaltung der somatoformen autonomen Funktionsstörung beitragen.

Diese psychotherapeutischen Methoden können mit physikalischer Therapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie und Gesundheitsberatung/-training kombiniert werden. Primäres Ziel der Therapie ist der verbesserte Umgang mit der Erkrankung und eine bessere Funktionsfähigkeit im familiären und beruflichen Bereich sowie eine Linderung der Beschwerden.

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