Schizoide Persönlichkeitsstörung


Merkmale

Das Hauptmerkmal der schizoiden Persönlichkeitsstörung sind die auffällige Distanz zu anderen Menschen und die Hemmung der spontanen Erlebensfähigkeit und des Gefühlsausdrucks. Personen, die unter einer schizoiden Persönlichkeitsstörung leiden, empfinden bei den wenigsten oder bei überhaupt keinen Tätigkeiten Freude oder Vergnügen. Sie neigen zu einzelgängerischen Beschäftigungen und Hobbies wie z.B. Computerspielen oder Lesen. Gerade an sinnlichen und körperlichen Erlebnissen oder zwischenmenschlichen Kontakten (z.B. Strandspaziergang bei Sonnenuntergang, Wellness-Behandlungen, Sexualität) finden schizoide Personen keinen Gefallen. Sie scheinen keinen Wunsch nach Intimität zu haben und empfinden es nicht als befriedigend Teil einer Familie oder sozialen Gruppe zu sein.

Personen mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung haben meist keine engen Freunde oder Beziehungen und suchen diese auch nicht. Sie verabreden sich nur selten bzw. unregelmäßig und heiraten selten. Wenn schizoide Personen eine Familie haben, zeigen sie meist kein Interesse an gemeinsamen Aktivitäten und ehelicher Sexualität. Bei zu engem Zusammenleben können sie sich unerwartet zurückziehen und den Kontakt abbrechen. Personen mit einer schizoiden Persönlichkeit bleiben am liebsten für sich alleine und empfinden auch keine Langeweile dabei. Sie wirken meist sehr kühl und distanziert, können aber durchaus auch freundlich und vertrauensvoll auftreten.

Folgen

In zwischenmenschlichen Situationen zeigen Personen mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung eine geringe Bandbreite an Emotionen. So können sie sowohl Gefühle der Zuneigung als auch Ärger anderen gegenüber schlecht ausdrücken. Ebenso kommt es häufig vor, dass schizoide Personen unpassend reagieren und wenig soziales Feingefühl zeigen. Als Folge dessen wirken sie sozial unbeholfen, oberflächlich, in sich selbst versunken oder gar kalt und humorlos. Selbst auf direkte Provokation hin haben Personen mit einer schizoiden Persönlichkeit Schwierigkeiten, Wut oder Aggression auszudrücken, und reagieren stattdessen passiv. Häufig haben sie deutliche Probleme, gesellschaftliche Regeln und Normen zu erkennen und einzuhalten. Schizoide Personen scheinen außerdem Lob und Kritik sowie der Meinung anderer gegenüber gleichgültig zu sein. Sie haben häufig eine ausgeprägte Phantasie und leben „in ihrer eigenen Welt“, was meist dazu führt, dass sie schlicht von anderen ignoriert werden.

Im beruflichen Bereich können bei einer schizoiden Persönlichkeitsstörung Schwierigkeiten und Beeinträchtigungen auftreten, wenn das Arbeiten im Team und soziales Engagement gefordert werden. Auf der anderen Seite können herausragende berufliche Leistungen erbracht werden, wenn schizoide Personen für sich alleine arbeiten. Auf Stress können Personen mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung mit kurzen psychotischen Episoden (u.a. mit Halluzinationen und Wahnphänomenen) reagieren, die von einigen Minuten bis hin zu Stunden andauern können.

Aus einer schizoiden Persönlichkeitsstörung können sich eine wahnhafte Störung oder Schizophrenie sowie eine depressive Störung entwickeln. Die paranoide und die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung treten am häufigsten in Kombination mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung auf.

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Verlauf

Die schizoide Persönlichkeitsstörung kann sich in der Kindheit und Jugend durch Einzelgängertum, wenig Kontakt zu Gleichaltrigen und mangelhaften Schulleistungen bemerkbar machen, was die Betroffenen oft zu Außenseitern macht.

Die schizoide Persönlichkeitsstörung zeigt im Allgemeinen einen stabilen Zeitverlauf.

Zahlen

In der Allgemeinbevölkerung geht man von weniger als einem Prozent von Personen mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung aus. Die schizoide Persönlichkeitsstörung ist folglich die seltenste aller Persönlichkeitsstörungen. Sie kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen und scheint diese stärker zu beeinträchtigen.

Subtypen

Bei dem Störungsbild der schizoiden Persönlichkeitsstörung werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Eine Therapie der schizoiden Persönlichkeitsstörung gestaltet sich schwierig, da die meisten Betroffenen gar nicht in Therapie gehen oder meist nur aufgrund von Beeinträchtigungen durch gleichzeitig auftretende Störungen wie einer Depression oder Substanzabhängigkeit eine Therapie beginnen. Während der Therapie können spezifische Probleme auftreten. So empfinden schizoide Patienten die Beziehung zum Therapeuten als zu intim und somit bedrohlich, was dazu führt dass sie sich häufig zurückziehen. Vielen scheint die Therapie gleichgültig zu sein. Der Therapieerfolg ist somit für die schizoide  Persönlichkeitsstörung nur sehr begrenzt.

Verhaltenstherapie

Kommt eine Verhaltenstherapie bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung zum Einsatz, versucht der Therapeut dem Betroffenen seine Gefühle zugänglicher zu machen. Der schizoide Patient wird z.B. angewiesen sich über eine Liste verschiedenster Emotionen Gedanken zu machen und entsprechende Erfahrungen festzuhalten. Auch Rollenspiele und spezielle Übungen und Hausaufgaben können dem Patienten mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung helfen seine sozialen Fertigkeiten zu verbessern und sich adäquater an soziale Regeln und Normen zu halten.

Gruppentherapie

Zusätzlich zur Einzeltherapie kann eine Gruppentherapie bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung sinnvoll sein, wenn diese einen sicheren, vertrauensvollen Rahmen zum Austausch von Erfahrungen und zum Üben von alternativen Verhaltensweisen bietet.

Medikation

Eine medikamentöse Therapie gilt bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung im Allgemeinen als unwirksam.

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