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Albträume

Merkmale

Das wesentliche Merkmal dieser Störung sind furchterregende, erschreckende Träume mit sehr detaillierter Erinnerung an den Trauminhalt. Die Albträume sind sehr lebhaft und die Inhalte hängen mit Themen der Lebensbedrohung (z.B. Verletzung, Angriff oder Verfolgung) oder der Selbstachtung (z.B. Versagen oder Peinlichkeiten) zusammen. Häufig wiederholen sich dieselben oder ähnliche Themen immer wieder. Die Trauminhalte hängen meist nicht mit aktuellen Themen zusammen, können jedoch aufgrund belastender Lebensumstände oder stressbedingt auftreten. Treten die Albträume nach einem traumatischen Ereignis auf, kann das traumatische Erlebnis in den Albträumen wiedererlebt werden.

Albträume treten fast immer während der Rapid Eye Movement (REM)-Schlafphase auf. REM-Schlafphasen wiederholen sich periodisch während dem Nachtschlaf, weshalb Albträume grundsätzlich zu jeder Zeit während des Schlafes auftreten können. Da die REM-Phasen in der zweiten Nachthälfte normalerweise länger werden und das Träumen intensiver wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Albträume auftreten zu späteren Nachtzeiten größer. Während der Albträume treten weder Schreie noch Körperbewegungen auf (wie es beim Pavor Nocturnus der Fall ist). Betroffene sind nach dem Aufwachen schnell wach und orientiert und können sich meist detailliert an den Trauminhalt erinnern. Das Gefühl von Furcht und Angst bereitet oft Schwierigkeiten wieder einzuschlafen.

Wiederholt auftretende Albträume verursachen häufig einen deutlichen Leidensdruck bei den Betroffenen. Soziale und berufliche Beeinträchtigungen sind eher weniger erkennbar, es sei denn, der Betroffene vermeidet Schlaf aus Angst vor erneuten Albträumen. Dieser Schlafmangel kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, depressiven Symptomen, Ängstlichkeit und erhöhter Reizbarkeit führen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität haben kann.

Bei Erwachsenen mit Albträumen finden sich häufig bestimmte psychische Auffälligkeiten, meist eine Persönlichkeitsstörung. Bei Kindern müssen keine psychischen Auffälligkeiten bestehen, da Albträume bei Kindern meist in einer bestimmten Phase der emotionalen Entwicklung auftreten. Auch die Einnahme von Medikamenten (z.B. Antidepressiva, Benzodiazepine, Neuroleptika) kann zu Albträumen führen. Darüber hinaus kann auch das plötzliche Absetzen von Medikamenten, die den REM-Schlaf unterdrücken (z.B. bestimmte Hypnotika), durch das Wiederansteigen der REM-Phasen zu verstärkten Albträumen führen.

Verlauf

Albträume beginnen meist zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr und können bei häufigem Auftreten für die Kinder, wie auch für die Eltern, zu einer Belastung werden. Meistens verschwindet die Problematik nach einer gewissen Zeit von alleine wieder. Bei wenigen bleiben die Albträume bis ins Erwachsenenalter bestehen und entwickeln sich zu einer chronischen Schlafstörung. Albträume haben jedoch die Tendenz sich im späteren Lebensalter zu bessern.

Zahlen

Bei Kindern zwischen 3 und 5 Jahren haben bis zu 50% der Kinder so intensive Albträume, dass die Eltern besorgt darüber sind. Auch 50% der Erwachsenen haben gelegentlich einen Albtraum. Häufige Albträume treten bei mindestens 3% der jungen Erwachsenen auf. Genaue Angaben über die Prävalenz sind nicht bekannt. Häufig kommt die Störung mit Albträumen bei Kindern vor, die schweren psychosozialen Belastungsfaktoren ausgesetzt sind. Frauen leiden häufiger an Albträumen (im Verhältnis 2-4:1), wobei man bedenken muss, dass Frauen wahrscheinlich einfach häufiger darüber berichten.

Subtypen

Bei diesem Störungsbild werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Bei der Therapie von Albträumen kommen verhaltenstherapeutische Methoden zum Einsatz. Da Albträume ein Angstphänomen sind, haben sich dieselben Techniken bewährt, die zur Therapie von Angststörungen verwendet werden. Besonders hilfreich sind Expositions– bzw. Konfrontationstechniken.

Im ersten Schritt soll sich der Patient seiner Angst, die durch die Albträume hervorgerufen wird, bewusst aussetzen. Am günstigsten hat sich ein Traumtagebuch erwiesen, in das der Patient nachts oder morgens seine Albträume niederschreibt. Bei Kindern hat es sich bewährt die Träume zeichnen zu lassen. Nach dieser bewussten Konfrontation mit den eigenen Albträumen soll im zweiten Schritt eine neue Bewältigungsstrategie erlernt werden. Dazu soll sich der Patient einen seiner Albträume vorstellen und sich überlegen, wie er die angstauslösende Situation in seinem Traum bewältigen könnte bzw. welches Ende sein Traum alternativ haben könnte. Der Trauminhalt wird solange verändert, bis er seinen angsteinflößenden Charakter verloren hat. Wichtig ist es jedoch, nicht den Bezug zum ursprünglichen Trauminhalt zu verlieren. Ungünstig sind vermeidende Strategien wie z.B. die Flucht vor einer furchteinflößenden Traumfigur ergreifen. Günstiger sind aktive Strategien wie z.B. die angstbesetzte Traumfigur ansprechen oder verjagen oder sich Helfer vorstellen, die einen unterstützen. Im dritten Schritt wird die neue Bewältigungsstrategie eingeübt, indem der Patient einmal am Tag den Traum unter Einbeziehung der neuen Strategie möglichst genau und detailliert durchdenkt. Zunächst wird immer wieder derselbe Traum geübt. Danach können weitere Trauminhalte folgen.

Thünker und Pietrowsky (2011) haben eine standardisierte Albtraumtherapie entwickelt, die als ambulante Einzeltherapie zum Einsatz kommt. Die Therapie umfasst acht Sitzungen in einem Zeitraum von 10 Wochen. Die Therapie ist schrittweise nach dem oben beschrieben Prinzip konzipiert und enthält Elemente der Entspannungsverfahren und Imaginationstechniken. Ziel der Therapie ist letztlich die oben beschriebene Traumveränderung.

Wenn die Albträume Teil einer psychischen Störung sind (z.B. Posttraumatische Belastungsstörung), sollte die zugrundeliegende Störung behandelt werden.

Hilfe

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Weiterführende Links

Spektrum der Wissenschaft: Albträume

Bayerischer Rundfunk: Albraum – Die Ungeheuer der Nacht

Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung

Merkmale

Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung zeigen ein durchgängiges Muster von Minderwertigkeitsgefühlen, Gehemmtheit und Übersensibilität gegenüber negativer Beurteilung. Sie ziehen sich sozial zurück und meiden schulische und berufliche, wie auch zwischenmenschliche Aktivitäten, aus Angst von anderen Menschen abgelehnt, zurückgewiesen, bloßgestellt, lächerlich gemacht oder kritisiert zu werden. Da sie ständig darauf bedacht sind, was andere von ihnen denken könnten, bauen ängstlich-vermeidende Personen Freundschaften und Beziehungen zu anderen Menschen nur äußerst schwer auf. Aktivitäten in einer Gruppe werden erst dann unternommen, wenn sich die Betroffenen einer unkritischen Annahme ihrer selbst wirklich sicher sind. Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung sind sehr schwer davon zu überzeugen, dass sie so angenommen werden, wie sie sind, da sie schon kleinste Anzeichen von Ablehnung und Kritik wahrnehmen. Auf Grund ihrer großen Angst vor sozialer Bloßstellung, kann ihr Verhalten als eher gehemmt, schüchtern, ruhig und zurückhaltend, aber auch ängstlich und angespannt beschrieben werden.

Die übermäßige Sensibilität gegenüber Kritik und das Gehemmtsein liegen in den starken Minderwertigkeitsgefühlen begründet. Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung sind der Meinung, dass sie unattraktiv, anderen unterlegen und sozial unbeholfen sind. Situationen, die ihnen neu sind, machen ihnen zusätzlich Angst, da die Wahrscheinlichkeit, Kritik und Ablehnung zu erfahren, nicht einschätzbar ist. Dieses Bedürfnis nach Absicherung und Gewissheit, dass keine für sie negative Situation eintreten wird, treibt ängstlich-vermeidende Personen in einen äußerst eingeschränkten Lebensstil (Gespräche werden abgesagt, aus Angst in Verlegenheit zu geraten; Ausreden werden erfunden – körperliche Symptome oder andere Probleme – um bestimmten Dingen aus dem Weg zu gehen). Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung leben eher isoliert und einsam, sehnen sich aber nach Liebe und Anerkennung und funktionierenden zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung kann mit einer zusätzlichen Persönlichkeitsstörung einhergehen, z.B. der abhängigen, der Borderline oder der paranoiden Persönlichkeitsstörung. Auch können ängstlich-vermeidende Personen unter affektiven (z.B. Depression) oder Angststörungen, z.B. der sozialen Phobie, leiden.

Informieren Sie sich über weitere psychische Erkrankungen in der Wissenssektion auf psycheplus.

Verlauf

Im Kleinkindalter können Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung bereits Angst vor fremden Menschen und neuen Situationen, sowie scheues und isolierendes Verhalten gezeigt haben. Im Jugendalter setzt sich die extreme Schüchternheit und Selbstunsicherheit in jeglichen sozialen Kontakten und Interaktionen fort. Mit den Jahren kann die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung jedoch langsam an Schwere verlieren. Dennoch sollte bedacht werden, dass zurückhaltendes und schüchternes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen noch keinen ausreichenden Hinweis für eine angehende Persönlichkeitsstörung darstellt. Vielmehr gehört auch dieses Verhaltensspektrum zur normalen Entwicklung dazu.

Zahlen

In der Gesamtbevölkerung liegt die Prävalenz der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung Schätzungen zufolge zwischen 0,5% und 1%. In klinischen Populationen befinden sich die Prävalenzschätzungen hingegen bei ca. 10%.

Die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung scheint bei Männern häufiger aufzutreten als bei Frauen.

Subtypen

Bei dem Störungsbild der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung haben die Hoffnung, in der Therapie endlich die Anerkennung und Zuneigung zu erfahren, die ihnen ansonsten verwehrt bleibt. Im Laufe der Therapie müssen sie jedoch erkennen, dass der Therapeut nicht auf dieses Bedürfnis eingeht. Auf Grund dessen sind sie immer mehr der Meinung, vom Therapeuten zurückgewiesen zu werden und versuchen vermehrt, die Behandlungen zu meiden.

In der Therapie wird versucht, dem Verhaltensdrang der ängstlich-vermeidenden Personen so gut es geht entgegenzusteuern. So konzentriert sich z.B. die kognitive Verhaltenstherapie auf die Änderung der tiefsitzenden Überzeugungen, die Steigerung der Toleranz für das emotionale Unbehagen und die Stärkung des Selbstbilds. Der Therapeut trainiert mit dem Patienten soziale Fertigkeiten und konfrontiert ihn immer wieder mit sozialen Situationen, in denen die Fertigkeiten angewendet werden. Dabei kann sich der Patient stets auf die Unterstützung des Therapeuten verlassen. Die Form einer Gruppentherapie kann dazu dienen, die Fertigkeiten in einem geschützten Raum mit Gleichgesinnten zunächst einzuüben. Personen mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung empfinden dies als äußerst hilfreich.

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HELIOS Klinik Bad Grönenbach – Fallbeispiel

Anhaltende Somatoforme Schmerzstörung

Merkmale

Das Hauptmerkmal dieser Störung ist ein schwerer anhaltender Schmerz in irgendeinem Körperteil, der in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen auftritt. Ein medizinischer Krankheitsfaktor kann den Schmerz nicht vollständig erklären. Der Schmerz ist so schwer und quälend, dass er erhebliches Leiden oder Beeinträchtigungen im familiären, sozialen oder beruflichen Bereich mit sich bringt. Der Betroffene täuscht die Beschwerden nicht vor oder erzeugt diese absichtlich, wie bei der vorgetäuschten Störung oder Simulation. Ebenso können die Beschwerden nicht besser durch eine affektive, Angst- oder psychotische Störung erklärt werden.

Betroffene haben häufig eine Vielzahl von Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen, so z.B. die Unfähigkeit in die Arbeit oder die Schule zu gehen, Beziehungsprobleme, einen eingeschränkten Lebensstil, Reduktion der körperlichen Belastbarkeit, Medikamentenmissbrauch und häufige Inanspruchnahme des Gesundheitswesens sowie beträchtliche persönliche Zuwendung und Betreuung. Der Schmerz wird zum Lebensinhalt des Betroffenen und stellt den Hauptfokus für seine Aufmerksamkeit dar. Geht der Schmerz mit einer schweren Depression einher oder mit einer unheilbaren Krankheit wie z.B. Krebs, scheint das Suizidrisiko erhöht zu sein.

Chronische Schmerzen hängen häufig mit depressiven Störungen zusammen, während akute Schmerzen (weniger als sechs Monate) häufig mit Angststörungen in Verbindung stehen, wobei diese Störungen der Schmerzstörung vorausgehen können, gleichzeitig bestehen können oder eine Folge der Schmerzstörung sein können. Darüber hinaus geht die Störung oftmals mit Schlafproblemen einher.

Weitere Informationen über die verschiedenen psychischen Erkrankungen finden Sie im Bereich Wissen auf psycheplus.

Verlauf

Schmerzen sind ein Symptom das jeder in irgendeiner Form kennt und die meisten akuten Schmerzen vergehen nach relativ kurzer Zeit von selbst. Bezüglich des Beginns der Störung ist die Bandbreite sehr groß, d.h. die Störung kann in sehr jungen Jahren genauso wie im späteren Alter beginnen. Betroffene, die eine psychiatrische Behandlung in Anspruch nehmen, leiden meist schon mehrere Jahre an dem Schmerz. Es scheint die Prognose zu begünstigen, wenn Betroffene trotz der Schmerzen ihre Aktivitäten, wie z.B. ihre Arbeit, aufrechterhalten und die Beschwerden nicht zum zentralen Lebensinhalt werden lassen.

Zahlen

Die somatoforme Schmerzstörung kommt relativ häufig vor. In Deutschland geht man von einer Lebenszeitprävalenz von 12,5% aus. In medizinischen Einrichtungen (Allgemeinarztpraxen, Fachabteilungen, Schmerzambulanz) liegt der Prozentsatz an Patienten mit einer somatoformen Schmerzstörung weit höher, nämlich bei ca. 20-40%.

Somatoforme Störungen sind extrem weit verbreitet. In Deutschland erkranken ca. 80% im Laufe ihres Lebens an einer somatoformen Störung. 15% der Bevölkerung sind zum momentanen Zeitpunkt behandlungsbedürftig. Bei Patienten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden, sind ca. 30% von somatoformen Störungen betroffen. Nicht selten bleibt die Störung jedoch unerkannt und somit auch unbehandelt.

Subtypen

Man unterscheidet drei Subtypen der Schmerzstörung:

  • Schmerzstörung in Verbindung mit psychischen Faktoren (Psychische Faktoren spielen die wichtigste Rolle für Beginn, Schweregrad und Aufrechterhaltung der Schmerzen)
  • Schmerzstörung in Verbindung mit sowohl psychischen Faktoren wie einem medizinischen Krankheitsfaktor (sowohl psychische Faktoren als auch ein medizinischer Krankheitsfaktor spielen eine Rolle für Beginn, Schweregrad und Aufrechterhaltung der Schmerzen)
  • Schmerzstörung in Verbindung mit einem medizinischen Krankheitsfaktor (Die Schmerzen sind auf einen medizinischen Krankheitsfaktor zurückzuführen und es besteht kein enger Zusammenhang zu psychischen Faktoren. Dieser Subtypus wird somit nicht als psychische Störung klassifiziert)

Die Dauer der Schmerzen wird in akut (weniger als 6 Monate) und chronisch (6 Monate oder länger) unterschieden.

Therapie

Die Therapie der somatoformen Störungen, wie der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, erfordert ein multimodales Vorgehen, bei dem der Patient umfassend betreut wird. Es gibt z.B. spezialisierte psychosomatische Kliniken, die dem Patienten eine mehrwöchige stationäre Behandlung bieten bei der verschiedene Therapieansätze zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich ist als erster Schritt der Behandlung eine umfassende Psychoedukation notwendig. Der Patient wird dabei über das Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Faktoren und Prozessen aufgeklärt und lernt seine Symptome besser zu erkennen und einzuschätzen. In der Therapie wird gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Erklärungsmodell erarbeitet, das auch die psychischen Komponenten der Schmerzstörung betrachtet. Besonders wichtig ist es, dem Patienten zu vermitteln, dass „psychisch bedingt“ nicht bedeutet, dass sie „verrückt“ oder „geistesgestört“ sind (wie es diese Patientengruppe gerne ausdrückt).

Durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen soll der Patient einen besseren Umgang mit seinen Beschwerden lernen, negative kognitive Muster verändern, Vermeidungsverhalten (z.B. eingeschränkte Aktivität aufgrund von Schmerzen) reduzieren und seine Ressourcen stärken. In Kombination mit verhaltenstherapeutischen Methoden werden häufig Entspannungsverfahren verwendet. Die bekanntesten Verfahren sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, das autogene Training, sowie Biofeedback.

In einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie liegt der Schwerpunkt auf der Aufarbeitung von traumatisierenden Kindheitserfahrungen, Bindungsproblematiken und seelischen Konflikten, die zur Aufrechterhaltung der Schmerzstörung beitragen.

Diese psychotherapeutischen Methoden können mit physikalischer Therapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie und Gesundheitsberatung/-training kombiniert werden. Primäres Ziel der Therapie ist der verbesserte Umgang mit den Schmerzen und eine bessere Funktionsfähigkeit im familiären und beruflichen Bereich sowie eine Linderung der Beschwerden.

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Weiterführende Links

Deutsches Ärzteblatt: Die somatoforme Schmerzstörung

Anorexia Nervosa (Magersucht)

Merkmale

Personen, die an einer Anorexia Nervosa leiden, versuchen ein Körpergewicht beizubehalten, welches sich deutlich unter dem für ihr Alter und ihre Körpergröße erwarteten Normalgewicht befindet. In der Regel weisen magersüchtige Personen weniger als 85% des Normalgewichts auf. Als alternative und etwas restriktivere Richtlinie dient die Angabe der ICD-10, bei der der Body-Mass-Index (BMI = Körpergewicht in kg/[Körpergröße in m]2) den Wert von 17,5 kg/m2 nicht überschreiten sollte. Bei Jugendlichen in der Wachstumsphase kann die starke Gewichtsabnahme bei einer Anorexia Nervosa dazu führen, dass das alter- und größenspezifische Gewicht auf Grund der Störung gar nicht erst erreicht wird und es dadurch zu Verzögerungen in der körperlichen Entwicklung kommen kann (z.B. verzögerte Menarche, d.h. das verzögerte Auftreten der ersten Regelblutung bei Frauen). Zu beachten ist allerdings, dass eine Gewichtsabweichung von der Norm nicht zwingend mit einer Anorexia Nervosa in Zusammenhang stehen muss. Es sollten immer genetische und medizinische Faktoren, wie auch die individuelle Körperentwicklung bei einer Diagnose berücksichtigt werden.

Die häufigste Methode, die bei einer Anorexie eingesetzt wird, um einen Gewichtsverlust herbeizuführen, ist eine strenge Diät, die nur mehr wenige bzw. gar keine Nahrungsmittel erlaubt (restriktive Anorexie). Anorektische Personen greifen jedoch auch zu weiteren gewichtsreduzierenden Maßnahmen, wie z.B. exzessive sportliche Aktivitäten, Medikamentenmissbrauch, z.B. durch die Einnahme von Abführmitteln oder selbstherbeigeführtes Erbrechen (Purging).

Des Weiteren ist die Wahrnehmung, die das eigene Körperbild betrifft, bei einer Anorexia Nervosa gestört (Körperschema-Störung). Betroffene haben eine enorme Angst davor, zu dick zu werden und reduzieren deshalb die Nahrungsaufnahme auf ein Minimum. Selbst diejenigen, die kaum noch Nahrung bzw. nur ausgewählte kalorienarme Nahrungsmittel zu sich nehmen, haben Angst an Gewicht zuzunehmen und fühlen sich trotz starkem Untergewicht zu dick. Das konsequent einschränkende Verhalten benötigt ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Personen mit Anorexia Nervosa kontrollieren oftmals ihre Körpermaße und Körpergewicht, unter anderem durch häufiges Betrachten im Spiegel und Wiegen. Einen Rückfall in alte bzw. normale Essgewohnheiten empfinden Betroffene als Schwäche und ein Versagen der eigenen Selbstbeherrschung, was zu einem verminderten Selbstwertgefühl beitragen kann.

Aufgrund der Fehl- und/oder Unterernährung und dem gelegentlichen Erbrechen oder Missbrauch von Medikamenten bei einer Anorexia Nervosa kann es oftmals zu Störungen oder Fehlfunktionen, wie z.B. einer Nierenunterfunktion, einem extrem niedrigen Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Störungen des Hormonhaushalts (bei Frauen Abfall des Östrogen-Spiegels und bei Männern des Testosteron-Spiegels), niedriger Körpertemperatur, Osteoporose (durch die geringe Kalziumeinnahme, die reduzierte Östrogenausschüttung und die erhöhten Kortisolausschüttung), Mangel an Leukozyten (weißen Blutkörperchen) im Blut, Blutarmut (leichte Anämie), Zahnproblemen (Erbrechen kann zur Erosion des Zahnschmelzes führen), Hypertrophie der Speicheldrüsen und zu auffälligen Veränderungen des Aussehens (rissige und trockene Haut, gelbliche Hautverfärbung, abgemagertes Körperbild, Haarausfall, oder Lanugo-Behaarung am Oberkörper) führen. Bei Frauen, die bereits ihre Periode haben, kann es zu einer Amenorrhoe, d.h. einem Ausbleiben der Menstruationsblutung, kommen. Dies ist ein weiterer Hinweis für die körperlichen Dysfunktionen, die durch eine Anorexia Nervosa entstehen können.

Darüber hinaus können anorektische Personen an Kälteempfindlichkeit, Bauchschmerzen und Lethargie leiden. Sie sind häufig depressiv (Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, vermindertes sexuelles Interesse), isolieren sich von ihrem sozialen Umfeld oder haben Angst davor in der Öffentlichkeit oder vor anderen zu essen. Die stetige Gewichtskontrolle kann Formen von Zwangsverhalten aufzeigen (Betroffene werden von Gedanken an Nahrung beherrscht und sammeln Rezepte oder horten Lebensmittel). Betrifft der Kontrollzwang auch weitere Lebensbereiche, nicht nur die Kontrolle des Essens und der Figur, kann zusätzlich eine Zwangsstörung vorliegen. Die Symptome der Anorexia Nervosa beinhaltet ebenfalls rigides Denken oder Perfektionismus. Außerdem sind verschiedene Züge von Persönlichkeitsstörungen möglich.

Informieren Sie sich über weitere psychische Erkrankungen im Bereich Wissen auf psycheplus.

Verlauf

Eine Magersucht beginnt üblicherweise in der Teenagerzeit zwischen 14 und 18 Jahren zum ersten Mal und wird nur in den seltensten Fällen vor dem Eintritt der Pubertät beobachtet. Das Durchschnittsalter, in dem eine Anorexia Nervosa festgestellt wird, beträgt derzeit 17 Jahre. Eine Erkrankung ab einem Alter von 40 Jahren ist laut Forschungen eher unwahrscheinlich. Der Mehrzahl der Fälle geht ein traumatisches oder einschneidendes Erlebnis voraus, welches zum Ausbruch der Krankheit führen kann. Dies ist beispielsweise die Trennung der Eltern, ein Todesfall oder eine persönliche Niederlage. Verlaufsstudien haben gezeigt, dass Personen, bei denen die Essstörung nicht vollständig zurückgegangen ist, die Hauptmerkmale einer Anorexie noch weiter in chronischer Form aufweisen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene während der ersten 5 Jahre nach dem Beginn einer Anorexia Nervosa Fressattacken (binge-eating-Verhalten) entwickeln ist äußerst hoch. Das Krankheitsbild kann somit häufig in eine Bulimia Nervosa übergehen. Meist sind es nicht die Betroffenen selbst, die Rat und Hilfe suchen oder sich selbst einweisen, sondern das engere familiäre Umfeld. Aufgrund der hohen Selbstdisziplin, die sie aufrechterhalten möchten, gestehen sich diese den Ernst der Lage in der Regel nicht ein und verleugnen meist die Schwere der Problematik. Daher muss bei der Schilderung des Krankheitsverlaufs der Anorexie von Seiten des Betroffenen darauf geachtet werden, dass dessen eigene Wahrnehmung bezüglich der Schwere der Magersucht womöglich verzerrt sein kann.

Kommt es bei der Anorexia Nervosa aufgrund der Unterernährung oder der Weigerung zur Nahrungsaufnahme zu einem Ungleichgewicht des Elektrolythaushalts, kann eine klinische Einweisung in die Notaufnahme dringend erforderlich sein. Ein unausgeglichener Elektrolythaushalt und/oder starker Flüssigkeitsmangel kann zu einem Herzstillstand oder Kreislaufkollaps führen und stellt die häufigste Todesursache bei anorektischen Personen dar. 10% der eingewiesenen Betroffenen sterben an den Folgen der Unterernährung.

Zahlen

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Anorexia Nervosa zu erkranken liegt bei Frauen bei 0,5% bis 1%. Bei Männern beträgt die Prävalenz ca. 0,05%. Das Vorkommen der Essstörung ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Am häufigsten kommt die Anorexie bei heranwachsenden Mädchen und Frauen im jungen Erwachsenenalter vor. Heranwachsende Jungen und Männer im jungen Erwachsenenalter sind ähnlich wie Kinder vor der Pubertät und Frauen nach den Wechseljahren eher seltener betroffen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer für Frauen und Männer größer ist.

Generell ist die Häufigkeit der Erkrankungen an Anorexia Nervosa in westlichen Industriegesellschaften am höchsten, was sicher nicht zuletzt an dem durch die Werbung und Modewelt weit verbreiteten Schönheits- und Schlankheitsideal liegt. Leben Personen aus fremden Kulturkreisen, die weniger stark gefährdet sind, in westlichen Ländern, können sich auch deren persönliche Einstellungen zu ihrem Selbstbild negativ verändern und es können sich Symptome einer Anorexia Nervosa ausbilden.

Frauen erkranken zu 80% häufiger an Anorexia Nervosa als Männer. Körperliche Folgen der Erkrankung können bei Frauen das Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe) sein, bei Männern ein Libido- oder Potenzverlust. Ist die Essstörung bereits vor der Pubertät aufgetreten, dann setzen die Schritte in der körperlichen Entwicklung verzögert ein oder werden komplett gehemmt. So kommt es allgemein zu einem Wachstumsstopp und bei den Mädchen zu einer primären Amenorrohoe und einer fehlenden Brustentwicklung, bei Jungen bleiben die Genitalien kindlich. Des Weiteren versuchen anorektische Frauen eher über Diäten und anorektische Männer über übermäßige sportliche Betätigungen eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Subtypen

Beim Störungsbild der Anorexia Nervosa werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Bei der Behandlung der Anorexia Nervosa versuchen Therapeuten zwei wichtige Aspekte abzudecken. Zum einen soll das pathologische Essverhalten, das die Gesundheit der Betroffenen massiv gefährdet, so schnell wie möglich verbessert werden. Zum anderen sollen die psychologischen und situativen Begebenheiten bearbeitet werden, die zu der Essstörung geführt haben und sie aktuell aufrechterhalten. Anorektiker lernen in der Therapie normal zu essen, erlangen allmählich wieder ein gesundes Körpergewicht und erholen sich von ihrer Unterernährung. Die psychischen Veränderungen sind äußerst wichtig, um die Essens- und Gewichtserfolge zu stabilisieren.

Die Behandlung kann im Rahmen einer Einzel-, Gruppen- und/oder Familientherapie erfolgen und wird in der Regel schrittweise aufgebaut. Zuerst konzentriert man sich darauf das Normalgewicht der magersüchtigen Patienten allmählich wieder zu erreichen und die Essgewohnheiten zu normalisieren.

In der Verhaltenstherapie werden richtiges Essen bzw. eine Gewichtszunahme konsequent positiv belohnt, wohingegen Widerstand negativ bestraft wird. In stationären Therapien wird die Kalorienmenge langsam gesteigert und die Betroffenen werden durch das Pflegepersonal kontinuierlich darüber informiert und unterstützt. In schwerwiegenden Fällen der Anorexia Nervosa besteht nur mehr die Möglichkeit, die Patienten über eine Sonde und intravenös zwangszuernähren, um sie am Leben zu halten. Zudem soll das Selbstbewusstsein und das Autonomieverhalten der anorektischen Patienten aufgebaut werden.

Die unangepassten Gedanken bezüglich des Essens und des Gewichts bei einer Anorexie werden in einem nächsten Schritt angegangen. Hier hat sich die kognitive Therapie nach Aaron T. Beck als äußerst wirksam gezeigt. Dabei sollen die Patienten sich auf ihre fehlangepassten Annahmen konzentrieren, Beweise dafür und dagegen finden, Vor- und Nachteile abwägen, die Übereinstimmung zu ihren anderen Wertvorstellungen prüfen und schließlich die Annahmen verändern. Auch wird versucht, das verzerrte Bild des eigenen Körpers zu korrigieren.

Innerhalb einer Familientherapie können die gestörten Muster und Annahmen, die bezüglich Figur und Gewicht in der Familie herrschen, aufgedeckt und geändert werden. Außerdem werden die Familienmitglieder mit in die Therapie involviert. Nach einer erfolgreichen Therapie der Anorexia Nervosa  (Normalgewicht erreicht) verbessern sich in der Regel die körperlichen Begleiterscheinungen. Kommt es trotzdem danach zu Rückfällen, dann liegt es größtenteils daran, dass Betroffene stressigen oder belastenden Situationen ausgesetzt waren.

Die Genesungschancen bei einer Aneroxia Nervosa stehen für Frauen, für junge Menschen, für Personen, die früher die Behandlung begonnen haben, für Personen, die generell durch die Essstörung weniger Gewicht verloren haben und für diejenigen, die zuvor wenige psychische, sexuelle oder verhaltensauffällige Schwierigkeiten hatten, besser.

Hilfe

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Weiterführende Links

Klinik am Korso: Diagnose der Magersucht

Frauenärzte im Netz: Magersucht

Pharmazeutische Zeitung online: Essen als Problem

ZEIT Magazin: Wir brauchten die Magersucht