Manie und Bipolare Störung


Merkmale

Personen, die an manischen Episoden (bzw. einer bipolaren Störung oder einer zyklothymen Störung) leiden, zeigen innerhalb von mindestens einer Woche an fast allen Tagen eine auffällige und dauerhafte euphorische, ungewöhnlich gute bzw. fröhliche Stimmung. Sie lassen sich äußerst leicht für zwischenmenschliche, sexuelle und berufliche Interaktionen begeistern, ohne diese kritisch zu hinterfragen. So unterhalten sich manische Personen langanhaltend mit ihnen fremden Menschen oder bringen spontane Einfälle sofort und unreflektiert vor. Zu einer gereizten Stimmung kommt es bei einer Manie eher seltener, jedoch vor allem dann, wenn auf die Wünsche der Betroffenen nicht eingegangen wird. Es kann auch ein reger Wechsel zwischen Euphorie und Reizbarkeit stattfinden (Affektlabilität). Zusätzlich zur gehobenen Stimmung sind noch eine Reihe weiterer Symptome für eine manische Episode charakteristisch, die jedoch nicht alle auftreten müssen.

Übersteigertes Selbstvertrauen

So neigen Personen mit einer Manie zu einem übersteigerten Selbstvertrauen bis hin zu ausgeprägten Größenideen, welche auch ein wahnhaftes Ausmaß annehmen können. Zum Beispiel geben sie Ratschläge ohne entsprechendes Fachwissen, versuchen trotz fehlender Begabung oder Erfahrung ein Buch zu schreiben oder ein Musikstück zu komponieren. In der Regel zeigt sich zudem ein reduziertes Bedürfnis an Schlaf. Betroffene erwachen oft mehrere Stunden vor ihrer normalen Aufwachzeit oder sie können tagelang ohne Schlaf auskommen und fühlen sich trotzdem energiegeladen und nicht müde.

Darüberhinaus haben manische Personen einen gesteigerten Rededrang – sie reden laut, schnell, gehetzt und lassen sich nur schwer von anderen unterbrechen. Ohne andere zu Wort kommen zu lassen, können sie stundenlang reden. Selten hat das Gesagte einen zusammenhängenden Sinn und wird häufig mit Witzen und Wortspielen gespickt. Während sie reden, haben manche manischen Personen das Gefühl, als würden ihre Gedanken rasen, d.h. sie denken schneller als sie reden können. So kann es zu abrupten Gedankensprüngen kommen, denen Außenstehende nicht mehr folgen können.

Betroffene lassen sich außerdem leicht von irrelevanten äußeren Reizen, wie z.B. Hintergrundgeräuschen oder herumliegenden Gegenständen ablenken. Sie scheinen ständig beschäftigt zu sein und nehmen z.B. gleichzeitig mehrere Projekte auf sich, ohne die Risiken zu bedenken oder sich im Klaren darüber zu sein, unmöglich mehreren Tätigkeiten gleichzeitig gerecht werden zu können. Ihre gesellige Art wird schnell als aufdringlich, fordernd und äußerst dominant wahrgenommen. Durch den unbegründeten Optimismus, die Größenideen und das mangelnde Urteilsvermögen begeben sich Personen mit einer Manie immer wieder in Situationen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehme Folgen nach sich ziehen. So gehen sie exzessiv einkaufen, fahren rücksichtslos Auto, gehen verschwenderisch mit ihrem Geld um und sind ihrem Partner häufig untreu oder haben (ungeschützten) sexuellen Kontakt mit einer Vielzahl von fremden Menschen.

Manische Episode – Ursachen

Um von einer manischen Episode sprechen zu können, dürfen die Symptome nicht durch die Einnahme einer Droge oder eines Medikaments oder eine körperliche Krankheit ausgelöst worden sein und sollten den Betroffenen deutlich in sozialen oder beruflichen Angelegenheiten behindern. Des Weiteren kann es vorkommen, dass Personen in einer manischen Episode plötzlich ihren Aufenthaltsort wechseln und den Kontakt zu ihnen nahestehenden Personen verlieren. Sie kleiden oder schminken sich auffällig lasziv oder grell, wirken durcheinander oder verhalten sich seltsam, indem sie Fremden Ratschläge geben oder Geld und Süßigkeiten schenken. Darüberhinaus kann es in der Zeit einer Manie zu einem erhöhten Konsum von Alkohol oder Aufputschmitteln kommen. Nach den manischen Episoden schämen sich die meisten Betroffenen für ihr Verhalten. Dann kann die gehobene Stimmung schnell in Ärger oder Niedergeschlagenheit umschlagen.

Treten mehrere manische Episoden oder zusätzlich auch depressive Episoden auf, dann spricht man von einer bipolaren oder einer manisch-depressiven Störung. Betroffene mit ausschließlich manischen Episoden sind vergleichsweise selten. Ungefähr 10 bis 15% nehmen sich das Leben, meist wenn sie gerade depressiv sind. In der Zeit einer Manie kann es dazu kommen, dass Betroffene ihre Kinder oder Ehepartner misshandeln oder sich anderweitig gewalttätig verhalten.

Sind die depressiven und die manischen Symptome nur leicht ausgeprägt und wechseln sich diese häufig in einem Zeitraum von mindestens zwei Jahren ab bzw. zeigen sie einen chronischen Verlauf, dann liegt eine zyklothyme Störung vor.

Psychische Störungen die im Zusammenhang mit einer bipolaren Störung auftreten können sind die Anorexia Nervosa, die Bulimia Nervosa, die Panikstörung und die soziale Phobie.

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Verlauf

Im Durchschnitt erkranken Menschen im Alter von 20 Jahren an einer bipolaren Störung. Allerdings sind auch Ersterkrankungsfälle im Jugendalter (Adoleszenz) und nach dem 50. Lebensjahr bekannt. Über 90% derjenigen, die bereits eine manische Episode durchlebt haben, erleben weitere Episoden. In ungefähr 60 bis 70% der Fälle tritt entweder vor oder nach einer manischen Episode eine Depression auf.

Die manischen Episoden beginnen charakteristischerweise plötzlich und abrupt. Sie dauern zwischen zwei Wochen und vier bis fünf Monate an. Die depressiven Episoden neigen dazu länger anzuhalten (bis zu sechs Monate). Mit zunehmendem Alter werden die Intervalle zwischen den Episoden kürzer und die depressiven Episoden werden länger und häufiger. Falls innerhalb eines Jahres vier oder mehr affektive Episoden auftreten, dann spricht man von „Rapid Cycling“. Dies kommt bei ca. 5 bis 15% der Betroffenen vor.

Zahlen

Für die bipolare Störung wird eine Lebenszeitprävalenz zwischen 0,4 und 1,6% in der Allgemeinbevölkerung geschätzt. Männer und Frauen scheinen gleich häufig davon betroffen zu sein. Allerdings hat sich gezeigt, dass Männer eher eine manische Episode und Frauen eine depressive Episode ausbilden. Generell sind die manischen Episoden öfter bei Männern anzutreffen und die depressiven bei Frauen.

Subtypen

Bei dem Störungsbild der Manie bzw. der bipolaren Störung werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Personen, die sich in einer manischen Episode befinden ist, erkennen selbst nicht, dass sie krank sind und widersetzen sich jeglichen Behandlungsversuchen. Bis vor kurzem stellten sich bei der Therapie der bipolaren Störung auch keine Erfolge ein. Weder die unterschiedlichen Psychotherapieformen, noch die Vergabe von Medikamenten schien eine Besserung der Symptome herbeizuführen.

Seit den 1960er Jahren hat sich die Lithiumtherapie bei manischen Episoden bzw. der bipolaren Störung als äußerst wirksam erwiesen. Nach der Bestimmung der richtigen Dosis, können die Betroffenen bereits nach 14 Tagen einen Symptomrückgang bei sich feststellen. Zusätzlich werden therapeutische Maßnahmen ergriffen, um die Medikamenteneinnahme zu sichern, die sozialen Kompetenzen zu verbessern, die Patienten als auch ihre Familienmitglieder über die Störung aufzuklären.

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