Dissoziative Bewegungsstörung

Merkmale

Personen, die an einer dissoziativen Bewegungsstörung leiden, weisen Symptome oder Ausfälle von willkürlichen motorischen Abläufen auf, die zwar eine neurologische oder somatische Störung vermuten lassen, doch legen körperliche Untersuchungen eine psychische Ursache nahe. Sie werden von den Betroffenen weder absichtlich erzeugt noch vorgetäuscht.

Am häufigsten verlieren Betroffene die komplette oder nur einen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit von einem oder mehreren Körperteilen. Sie können Probleme bei der Koordination (Ataxie), vor allem der Beine oder beim Gleichgewicht halten aufweisen. Sie können Lähmung unterschiedlicher Ausprägung von schwach (nur einzelne Teile sind betroffen) bis stark (alle Körperteile sind betroffen) ausbilden. Somit kann es fast unmöglich sein, eigenständig zu stehen (Astasie) oder zu gehen (Abasie). Außerdem können bei dissoziativen Bewegungsstörungen Beschwerden beim Schlucken oder ein Kloßgefühl im Hals auftreten. Nicht selten kann es bei Betroffenen auch zu einem auffälligen Zittern oder Schütteln der Arme oder Beine oder gar des ganzen Körpers kommen. Um von einem psychischen Krankheitsbild sprechen zu können, müssen die Bewegungsstörungen erhebliches Leiden bzw. soziale, berufliche oder sonstige Beeinträchtigungen mit sich ziehen.

Des Weiteren können Betroffene auch an anderen dissoziativen Störungen, an einer Depression oder an einer histrionischen, antisozialen, Borderline oder abhängigen Persönlichkeitsstörung leiden.

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Verlauf

psycheplus liegen im Moment keine detaillierten und fundierten Beschreibungen zum charakteristischen Verlauf der dissoziativen Bewegungsstörung vor.

Für gewöhnlich beginnen Konversionsstörungen plötzlich in der späten Kindheit und im jungen Erwachsenenalter. Die einzelnen Symptome können sich im Laufe der Zeit verstärken, dauern aber generell nicht lange an, d.h. sie gehen meist innerhalb von 2 Wochen wieder zurück. Jedoch können die Symptome immer wieder kommen – bei 20 bis 25% der Betroffenen bereits  innerhalb eines Jahres. Falls die Symptome akut beginnen, eine Belastung vor dem Beginn klar ausgemacht werden kann und eine Behandlung der Symptomatik schnell erfolgt, stehen die Chancen gut, dass die Konversionsstörung erfolgreich therapiert werden kann.

Zahlen

Zum aktuellen Zeitpunkt liegen psychplus keine genauen Prävalenzschätzungen zur dissoziativen Bewegungsstörung vor.

In der Regel kommen Konversionsstörungen jedoch eher in ländlichen Gegenden bzw. in Entwicklungsregionen vor und bei Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status. Schätzungen zufolge liegt die Prävalenz für Konversionsstörungen in psychiatrischen Versorgungseinrichtungen bei ca. 3%. In der Allgemeinbevölkerung liegt der Wert wesentlich niedriger, bei ca. 0,0001%.

Frauen bilden 2 bis 10mal häufiger eine Konversionsstörung aus als Männer. Oft tritt eine Konversionsstörung bei Männern nach einem Arbeitsunfall oder dem Wehrdienst auf.

Subtypen

Beim Störungsbild der dissoziativen Bewegungsstörung werden keine Subtypen unterschieden.

Dissoziative Bewegungsstörung – Therapie

Können mögliche körperliche Ursachen für die auftretenden Symptome definitiv ausgeschlossen werden, kann von einer Konversionsstörungen ausgegangen werden. In der Therapie widmet man sich zunächst einmal den Befürchtungen des Patienten, an einer bedrohlichen körperlichen Erkrankung zu leiden oder „verrückt“ zu werden. Therapeuten beruhigen Betroffene, in dem sie Informationen liefern, dass das Störungsbild in der Regel ungefährlich ist.

Bei der eigentlichen Behandlung der Symptome einer Konversionsstörung versuchen Therapeut und Patient gemeinsam die situativen Auslöser zu finden und zu beschreiben. Es können sich dabei unverarbeitete Traumatisierungen, Gewalterfahrungen oder sexueller Missbrauch in der Kindheit oder weitere Belastungen als Ursache herauskristallisieren. Diese werden therapeutisch so lange bearbeitet, bis verdrängte Scham- oder Schuldgefühle in ein konsistent bejahendes Selbstbild integriert sind.

Hilfe

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Weiterführende Links

WELT: Wenn Menschen nicht mehr wollen können

aerzteblatt.de: Häufig fehlgedeutet