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Abhängige Persönlichkeitsstörung

Merkmale

Personen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung zeigen ein weitreichendes und extremes Bedürfnis nach Fürsorge. Dieses bringt unterwürfiges und anklammerndes Verhalten sowie Angst vor Trennung mit sich. Da sie der festen Überzeugung sind, dass sie ohne die Hilfe von anderen nicht lebensfähig wären, zielt ihr Verhalten darauf ab, bei nahestehenden Personen prosoziale Handlungen und Unterstützung auszulösen. So verlassen sich abhängige Personen auf die Entscheidungen, den Rat und die Bestätigung anderer, nehmen sich zurück und geben die Verantwortung und Initiative für wichtige Lebensbereiche und alltägliche Angelegenheiten an andere ab. Ihr Bedürfnis nach Hilfe und Unterstützung geht somit weit über das hinaus, was für ihr Alter und die Situation angemessen wäre. Damit Personen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung die für sie lebenswichtige Unterstützung und Zustimmung nicht verlieren, äußern sie nur ungern ihre eigene Meinung und stimmen lieber etwas zu, hinter dem sie nicht stehen. Abhängige Personen sind sogar bereit Tätigkeiten zu übernehmen, die ihnen unangenehm oder für sie unzumutbar sind. Die unbegründete Angst führt nicht selten dazu, dass die Betroffenen äußerst unausgeglichene Beziehungen eingehen und sogar verbalen, körperlichen oder sexuellen Missbrauch an sich zulassen.

Folgen

Aus ihrem mangelnden Selbstvertrauen und niedrigem Selbstbewusstsein heraus sind abhängige Personen der festen Überzeugung, Aufgaben nicht selbst beginnen und/oder alleine durchführen zu können. Sie stellen sich als unbeholfen dar und erlangen durch ihr passives Verhalten nicht die Kompetenz, Tätigkeiten selbstständig auszuüben. Personen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung sind nicht gerne alleine. Ihnen fällt es auch nicht schwer mit anderen Menschen in Beziehung zu treten bzw. Beziehungen aufzubauen. Wird allerdings eine Beziehung beendet, dann sind sie am Boden zerstört und versuchen so schnell wie möglich einen Ersatz zu finden. Charakteristisch für eine abhängige Persönlichkeitsstörung sind außerdem ein starker Pessimismus und Selbstzweifel. Missbilligungen und Kritik werden als Beweis für die eigene Unzulänglichkeit gesehen. Wird von abhängigen Personen im Beruf Selbstständigkeit verlangt, dann kann auch hier die Leistungsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die abhängige Persönlichkeitsstörung tritt oftmals gemeinsam mit einer Borderline, ängstlich-vermeidenden oder histrionischen Persönlichkeitsstörung auf. Außerdem können Betroffene zusätzlich an einer affektiven (Depression) oder einer Angststörung (z.B. Spezifische Phobie) leiden.

Weitere Informationen zu den verschiedenen psychischen Erkrankungen finden Sie im Wissenbereich auf psycheplus.

Verlauf

psycheplus liegen keine fundierten Beschreibungen zum Verlauf der abhängigen Persönlichkeitsstörung vor.

Zahlen

Schätzungen zufolge beläuft sich die Prävalenz für die abhängige Persönlichkeitsstörung auf ca. 2% in der Allgemeinbevölkerung. In psychiatrischen Kliniken wird sie am häufigsten von allen Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert.

In der Allgemeinbevölkerung sind Männer genauso häufig von der abhängigen Persönlichkeitsstörung betroffen wie Frauen. Laut neueren Studien scheint bei der Störung eine geschlechtsspezifische Prädisposition vorzuliegen. Man fand heraus, dass die Verwandten von männlichen Betroffenen häufiger an einer Depression litten, wohingegen die Verwandten der weiblichen Betroffenen häufiger eine Panikstörung aufwiesen. In klinischen Populationen sind Frauen häufiger von der abhängigen Persönlichkeitsstörung betroffen.

Subtypen

Bei dem Störungsbild der abhängigen Persönlichkeitsstörung werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Personen, die unter einer abhängigen Persönlichkeitsstörung leiden, beteiligen sich nur ungern aktiv am Therapiegeschehen und verlassen sich für den Erfolg der Behandlung voll und ganz auf den Therapeuten. Dieser versucht deshalb den Patienten in die Lage zu versetzen, dass er Verantwortung für sich selbst übernehmen kann. Da Personen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung oftmals auch einen Partner haben, der hilft, die charakteristischen Verhaltensweisen des Betroffenen aufrecht zu erhalten, kann es auch vorkommen, dass beide in die Therapie gebeten werden. Dabei können Patient und Partner gemeinsam oder auch getrennt voneinander therapiert werden. Der Partner soll schließlich lernen, das anklammernde Verhalten des Patienten nicht weiter direkt oder indirekt zu verstärken und zu bestätigen.

Des Weiteren widmen sich die einzelnen Therapieverfahren verstärkt unterschiedlichen Aspekten der abhängigen Persönlichkeitsstörung. So konzentriert sich die Psychoanalyse darauf, dass und inwieweit der Patient seine Abhängigkeitsbedürfnisse auf den Therapeuten überträgt.

In der kognitiven Verhaltenstherapie versucht man bei abhängigen Personen, die tiefverwurzelte Überzeugung der eigenen Hilflosigkeit und Unzulänglichkeit zu hinterfragen und positiv zu verändern. Ergänzend können auch Selbstsicherheitstrainings eingesetzt werden.

Im Rahmen einer Gruppentherapie können Personen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung sich mit Gleichgesinnten austauschen und gemeinsam Problemlösefähigkeiten erlernen, die ihnen zu mehr Selbstvertrauen verhelfen.

Hilfe

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Weiterführende Links

Wikipedia – Abhängige Persönlichkeitsstörung

Dependente Persönlichkeitsstörung: Weder resignieren noch bedrängen

ipp Bochum: Dependente Persönlichkeitsstörung

Abhängigkeitssyndrom

Merkmale

Das charakteristische Merkmal der Abhängigkeit ist ein starker Wunsch oder eine Art Zwang psychotrope Substanzen zu sich zu nehmen – das sogenannte „craving“.

Als Folge wiederholten Substanzkonsums kann eine Toleranzenzwicklung entstehen, d.h. der Betroffene braucht immer höhere Dosierungen bzw. stärkere Substanzen, um die erwünschte Wirkung hervorzurufen bzw. erlebt er bei gleichbleibender Dosis nur noch einen deutlich geringeren Effekt. Bei einigen Substanzklassen (z.B. Opiaten und Stimulanzien) kann die Toleranzentwicklung so erheblich sein, dass die konsumierten Mengen ansonsten tödlich wären.

Ein weiteres Merkmal der körperlichen Abhängigkeit ist das Entzugssyndrom. Dabei treten nach Beendigung oder Reduzierung des Konsums je nach Art der Substanz und Dauer des Konsums verschiedene körperliche und psychische Symptome auf. Beim Alkoholentzug treten, ähnlich wie beim Entzug von Sedativa oder Hypnotika, vegetative Hyperaktivität (z.B. Schwitzen oder erhöhter Puls), Zittern der Hände, Schlaflosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, psychomotorische Unruhe, Angst, Krampfanfälle sowie vorübergehende Halluzinationen oder Illusionen jeder Sinnesmodalität auf. Der Nikotinentzug ist durch depressive oder gereizte Stimmung, Ärger, Angst, Schlaflosigkeit, Konzentrationsprobleme und Ablenkbarkeit, das Gefühl von innerer Unruhe, verminderter Herzfrequenz sowie gesteigerten Appetit oder Gewichtszunahme gekennzeichnet. Bei einer Abhängigkeit von anderen Substanzen, wie z.B. Kokain oder Halluzinogenen, findet man weniger offensichtliche bzw. keine deutlichen Entzugssymptome.

Neben der Toleranzentwicklung und dem Entzugssyndrom (die nicht hinreichend für eine Diagnose sind), treten eine Reihe weiterer psychischer und verhaltensbezogener Phänomene im Rahmen eines Abhängigkeitssyndroms auf. So kommt es häufig vor, dass der Betroffene die Kontrolle darüber verliert, wann er mit dem Konsum beginnt, wann er aufhört oder wie viel er konsumiert. Beispielsweise beginnt der Betroffene bereits morgens oder tagsüber zu trinken, verlässt regelmäßig als Letzter die Kneipe oder trinkt bis hin zu einer schweren Intoxikation, obwohl er sich vorgenommen hatte nur ein Glas zu trinken.

Des Weiteren vernachlässigen Betroffene meist immer mehr ihre Interessen, sowie familiäre, berufliche oder Freizeitaktivitäten oder geben diese zugunsten des Substanzkonsums ganz auf. Die Beschaffung, der Konsum selbst und die Erholung von den Folgen nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Der Konsum wird so zum Mittelpunkt des Lebens, um den alle Alltagsaktivitäten kreisen.

Betroffene scheitern daran den Substanzkonsum zu beenden, obwohl ihnen bewusst ist, dass der Konsum deutliche psychische oder körperliche Folgeprobleme, wie depressive Verstimmung, Organschäden, Hepatitis oder kognitive Beeinträchtigungen, mit sich bringt.

Ein Abhängigkeitssyndrom tritt häufig in Kombination mit Angststörungen, Depression, Anpassungsstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen auf.

Weitere Informationen zu den verschiedenen psychischen Erkrankungen finden Sie im Bereich Wissen auf psycheplus.

Verlauf

Die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit wird häufig durch ein Phasenmodell beschrieben. Eine Abhängigkeit kann, muss sich aber nicht, analog zu diesen Phasen entwickeln.

In der ersten Phase kommt es zunächst zum ersten Kontakt mit dem Suchtmittel und zu immer häufigerem Konsum, um angenehme Gefühle oder Erleichterung herbeizuführen bzw. unangenehme Gefühle auszuschalten.

In der zweiten Phase kommt es zu einer Gewöhnung an den Konsum. Der Betroffenen erlebt Stimmungsschwankungen und versucht immer wieder abstinent zu bleiben. Gegenüber der Umwelt reagiert er ausweichend oder leugnet die Problematik. Erste körperliche Folgen sowie Gedächtnislücken stellen sich bereits ein. Das Konsumverhalten geht daraufhin oftmals in einen chronischen Verlauf über.

In der dritten Phase verliert der Betroffene die Kontrolle über seinen Konsum. Die typischen Merkmale der Abhängigkeit bestimmen das Leben und es treten deutliche körperliche Folgeschäden sowie soziale und psychische Beeinträchtigungen auf. Von einer Abhängigkeit spricht man erst in dieser dritten Phase.

Die vierte Phase ist gekennzeichnet durch tagelange Rauschzustände und morgendliche Entzugserscheinungen, die erst nach erneutem Konsum verschwinden. Es kommt zu Delirien, Alkoholpsychosen oder auch zu komatösen Zuständen. Ein Ausstieg erfordert meist eine therapeutische Behandlung, den festen Willen des Betroffenen und eine hohe Frustrationstoleranz, da der Ausstieg oft durch Rückschläge gekennzeichnet ist. Bleibt die Alkoholabhängigkeit bestehen, entwickeln sich schwere Organschäden (z.B. Leberzirrhose) und Hirnabbauprozesse, die zum Tod führen können.

Frauen sind meist älter, wenn Sie zu trinken beginnen, rutschen aber schneller in eine Abhängigkeit und auch die körperlichen Folgeschäden treten bei Frauen schneller auf als bei Männern.

Zahlen

Die Prävalenzraten unterscheiden sich erheblich zwischen den verschiedenen Substanzklassen. In den Vereinigten Staaten und Europa leiden 10-20% der Männer und 5-10% der Frauen irgendwann in ihrem Leben an einer Alkoholabhängigkeit. Nach aktuellen Schätzungen gibt es zwischen 1,3 und 2,5 Millionen alkoholabhängige Menschen in Deutschland, davon 30% Frauen.

Die 12-Monats-Prävalenz des Konsums von Cannabis liegt bei ca. 5%, von Kokain bei 0,8% und von Amphetaminen bei 0,7%. Schätzungen zu substanzbezogenen Störungen liegen bei knapp über 1% für Cannabisabhängigkeit und guten 6% für Nikotinabhängigkeit.

Subtypen

Die Störungen durch psychotrope Substanzen (akute Intoxikation, schädlicher Gebrauch, Abhängigkeit, Entzugssyndrom, Entzugssyndrom mit Delir, psychotische Störung und amnestisches Syndrom) können sich auf verschiedene Substanzen bzw. Substanzklassen beziehen.

Dazu gehören:

  • Störungen durch Alkohol
  • Störungen durch Opioide (wie Codein, Heroin, Methadon, Morphin)
  • Störungen durch Cannabinoide (Cannabis, Marihuana, Haschisch, Haschischöl)
  • Störungen durch Sedativa oder Hypnotika (v.a. Benzodiazepine)
  • Störungen durch Kokain
  • Störungen durch andere Stimulanzien (wie Amphetamin, Ecstasy, aber auch Koffein)
  • Störungen durch Halluzinogene (wie LSD, Meskalin und Psilocybin)
  • Störungen durch Tabak
  • Störungen durch flüchtige Lösungsmittel
  • Störungen durch multiplen Substanzmissbrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen

Therapie

Die Therapie einer Abhängigkeitserkrankung besteht meist aus einer Kombination von medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung.

Die Behandlung gliedert sich in die Kontakt- und Motivationsphase, die Entgiftungsphase (körperlicher Entzug), die Entwöhnungsbehandlung, die Nachsorge- und Rehabilitationsphase und die Rückfall-Vorbeugung.

In der Suchttherapie gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten, wobei sich besonders verhaltenstherapeutische Methoden bewährt haben. Mit kognitiven Verfahren sollen typische Gedanken, Gefühle und Verhalten bei einer Person mit einer Abhängigkeitsproblemen und Suchtverhalten identifiziert werden, die zu Rückfällen, Suchtverhalten und anderem unerwünschten Verhalten führen. Der Therapeut versucht dabei gemeinsam mit dem Patienten, neue Verhaltensweisen einzuüben, die dem Betroffenen dabei helfen, einen Rückfall zu vermeiden. Der Betroffene lernt so, mit dem starken Konsumdrang umzugehen. Neben der Verhaltensänderung stehen auch die zugrundeliegenden Emotionen im Fokus der Therapie, da Betroffene mit dem Substanzkonsum häufig unerwünschte Gefühle unterdrücken oder betäuben wollen (u.a. Frustrationen, Ärger, Überforderung, Minderwertigkeitsgefühle).

Neben der Verhaltenstherapie können tiefenpsychologische Psychotherapien, Gruppentherapien, Familientherapien oder Selbsthilfegruppen bei einem Abhängigkeitssyndrom zum Einsatz kommen. Die Therapie kann ambulant erfolgen oder in Kliniken, die sich auf Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert haben. Dort gibt es spezielle multimodale Therapieprogramme. So kann z.B. erst in einer Klinik die Entgiftung (Detoxifikation) und körperliche Stabilisierung bei gleichzeitiger medikamentöser Behandlung erfolgen und dann eine Entwöhnungstherapie mit dem Ziel der langfristigen Problembewältigung und Stabilisierung eingeleitet werden.

Hilfe

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Sucht- und Drogenhotline

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Weiterführende Links

Universitätsklinikum Bonn: Was sind Abhängigkeitserkrankungen?

Ärzteblatt: Entzugszeichen und Abhängigkeitssyndrom nach „Spice Gold“-Konsum

Uni Halle: Vorlesung Abhängigkeitserkrankungen I: Störungen durch den Konsum von Alkohol

Agoraphobie (Platzangst)

Merkmale

Das zentrale Merkmal der Agoraphobie ist nicht nur die Angst vor großen Plätzen („agora“= griechisch für Marktplatz), sondern kann sich auf jegliche Situationen beziehen, in denen sich der Betroffene außerhalb seiner gewohnten Umgebung befindet. Die Betroffenen befürchten, in eine problematische Situation zu geraten und keine sofortige Hilfe zu bekommen oder keinen Fluchtweg zur Verfügung zu haben. Die Angst bezieht sich z.B. auf einen plötzlichen Schwindelanfall, Ohnmachtsgefühle oder einen Verlust der Blasen- und Darmkontrolle. In Folge dessen werden bestimmte Situationen von den Betroffenen so gut es geht vermieden. Zu den typischen gemiedenen Situationen bei einer Agoraphobie zählen:

  • Menschenmengen oder öffentliche Plätze
  • Reisen mit weiter Entfernung von zu Hause oder Reisen alleine
  • auf einer Brücke, im Aufzug oder einer Schlange stehen
  • alleine zu Hause sein
  • alleine das Haus verlassen

Betroffene einer Agoraphobie umgehen diese Situationen oder Orte meist weitgehend oder können diese nur mit großem Unbehagen oder Angst aushalten. Die Begleitung einer Bezugsperson kann es für den Betroffenen erleichtern, sich der angstauslösenden Situation auszusetzen. Grundsätzlich führt das Vermeidungsverhalten bei einer Agoraphobie jedoch zu erheblichen Einschränkungen in der Lebensführung, z.B. kann die betroffene Person nicht mehr zur Arbeit fahren oder bestimmten Erledigungen und Verpflichtungen nachkommen. In schlimmen Fällen verlassen Betroffene ihr Haus gar nicht mehr, da dies der einzige Ort ist, an dem sie sich sicher fühlen. Den Betroffenen ist zwar bewusst, dass ihre Angst übertrieben und eigentlich unbegründet ist, sie sehen sich jedoch nicht in der Lage ihre Angst zu kontrollieren oder zu überwinden und suchen stattdessen vermehrt nach übermäßiger Sicherheit und Kontrolle.

Zusätzlich können Betroffene einer Agoraphobie an depressiven Symptomen, Zwangssymptomen, sowie einer sozialen Phobie leiden. Diese Symptome beherrschen jedoch nicht das klinische Bild. Bei der Mehrzahl der betroffenen Personen tritt die Agoraphobie in Kombination mit einer Panikstörung auf. Sie erleben dann in der angstauslösenden Situation zusätzlich vegetative Paniksymptome, wie z.B. Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Hitzewallungen, Brustschmerzen, Beklemmungsgefühle, Ohnmachtsgefühle, das Gefühl „nicht wirklich da zu sein“ oder das Gefühl, die Umwelt sei „unwirklich“, sowie die Angst, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben.

Weitere Informationen zu verschiedenene psychischen Erkrankungen finden Sie in der Wissenssektion auf psycheplus.

Verlauf

Der Beginn einer Agoraphobie liegt meist im frühen Erwachsenenalter (zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr). Der Verlauf der Erkrankung ist ohne Behandlung meist chronisch. Die Schwere der Symptomatik kann jedoch von Zeit zu Zeit variieren. Die Symptomatik der Agoraphobie verstärkt sich meist dann, wenn belastende Ereignisse oder Lebensumstände auftreten. Häufige Folgeerkrankungen einer Agoraphobie sind Depression, Alkoholkonsum und Medikamentenmissbrauch.

Zahlen

Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens an einer Agoraphobie zu erkranken liegt bei ca. 3- 9%. Frauen erkranken 2-3 mal häufiger als Männer.

Subtypen

Beim Störungsbild der Agoraphobie werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Bei der Behandlung der Agoraphobie werden bevorzugt verhaltenstherapeutische Methoden eingesetzt. Angewandt werden die Expositions– bzw. Konfrontationstherapie und kognitive Verfahren.

Bei der Expositions– bzw. Konfrontationstherapie wird der Patient mit Agoraphobie gezielt der angstauslösenden Situation ausgesetzt, z.B. begibt sich der Patient gemeinsam mit seinem Therapeuten auf einen öffentlichen Platz und verweilt dort so lange, bis die Angst nachlässt. Diese Art der Therapie kann schrittweise  (also ein langsames Herantasten an Situationen, in denen die Angst besonders groß ist) oder durch eine plötzliche und vollkommene Konfrontation (also eine Reizüberflutung durch eine besonders angstbesetzte Situation) erfolgen. Ziel dieser Vorgehensweise ist die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Angst und den entsprechenden Gedanken bei einer Agoraphobie und folglich die Erkenntnis, dass in den angstbesetzten Situationen keine ernsthafte Bedrohung besteht. Wichtig ist, dass das Vermeidungsverhalten des Patienten konsequent unterbunden und er während der Konfrontation nicht abgelenkt wird (z.B. durch Musikhören).

Mit den kognitiven Verfahren versucht der Therapeut die eingefahrenen Gedankenmuster des Patienten mit Agoraphobie zu korrigieren. Dem Betroffenen wird verständlich gemacht, welche Gedanken dazu beitragen, dass die Angst entsteht, aufrechterhalten bleibt und sich weiter verstärkt. Die Therapie kann als Einzel- oder Gruppentherapie stattfinden.

In Kombination mit verhaltenstherapeutischen Methoden werden häufig Entspannungsverfahren bei der Agoraphobie verwendet, da der Zustand der Entspannung Angstgefühle ausschließt. Die bekanntesten Verfahren sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, das Autogene Training, sowie Biofeedback.

In einer tiefenpsychologisch orientierten Therapie versucht der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten herauszufinden, welcher unbewusste Konflikt der Angstsymptomatik bei einer Agoraphobie zugrunde liegt. Häufig lässt sich bei Patienten mit einer Angststörung ein ambivalent erlebter Trennungskonflikt finden. Das bedeutet es bestehen beispielsweise gleichzeitig Abhängigkeitsgefühle und Aggressionen gegenüber der Mutter oder dem Partner. Es kann jedoch auch bei den aufdeckenden Verfahren zunächst wichtig sein, die Angstbewältigungsmöglichkeiten des Patienten zu stärken, bevor die zugrundeliegenden Konflikte bearbeitet werden. Eine tiefenpsychologische Therapie dauert in der Regel länger als eine Verhaltenstherapie. Sie wird bis zu mehrere Jahre kontinuierlich angewandt.

Eine weitere erfolgversprechende Therapiemethode bei einer Agoraphobie ist die Hypnosetherapie. Bei dieser Methode versucht der Therapeut herauszufinden, was die Ursache für das Auftreten der Angst war (z.B. ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit). Oftmals kann der Patient durch die Aufdeckung dieses unbewussten Zusammenhangs die Angst überwinden und sein Vermeidungsverhalten normalisieren.

Hilfe

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Weiterführende Links

Spektrum.de: Agoraphobie

Uni Freiburg: Behandlungsangebot für Angst-Patienten

TU Braunschweig Psychotherapieambluanz

Akute Belastungsreaktion

Merkmale

Das wesentliche Merkmal der akuten Belastungsreaktion ist eine vorübergehende, schwere psychische Beeinträchtigung, die in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit einem besonders belastenden Ereignis auftritt. Das auslösende Ereignis kann ein traumatisierendes Erlebnis sein, bei dem man selbst einer Bedrohung ausgesetzt ist oder aber eine Gefährdung anderer Personen beobachtet. Dies kann beispielsweise eine Naturkatastrophe, ein Unfall, eine Vergewaltigung oder ein Verbrechen sein. Aber auch Ereignisse wie der plötzliche Verlust der sozialen Stellung oder des Beziehungsnetzes (z.B. Todesfälle in der Familie) können eine akute Belastungsreaktion auslösen.

Das Risiko mit einer akuten Belastungsreaktion auf ein traumatisierendes Ereignis zu reagieren ist von Person zu Person unterschiedlich. Nicht bei allen Personen lässt sich nach einem traumatischen Ereignis eine starke psychische Beeinträchtigung beobachten. Die Schwere, Dauer und Nähe der Person bei der Konfrontation mit dem traumatischen Ereignis, sowie die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen und die individuelle Vulnerabilität, spielen beim Auftreten und der Schwere der akuten Belastungsreaktion eine wesentliche Rolle. Zusätzliche Risikofaktoren können eine gleichzeitige körperliche Erschöpfung und organische Beeinträchtigungen (z.B. bei älteren Leuten) sein.

Es können sehr unterschiedliche Symptome beobachtet werden. Typischerweise beginnen sie mit einem Gefühl von „Betäubung“ und Empfindungslosigkeit. Des Weiteren kann eine Beeinträchtigung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit auftreten, es können keine Reize verarbeitet werden und die betroffene Person kann desorientiert sein. Danach tritt ein sehr wechselndes Bild auf, häufig sind depressive Symptome, Angst, Ärger, Verzweiflung und Aggressionen. Keines der Symptome ist längere Zeit vorherrschend. Manche Personen reagieren mit starken Rückzugstendenzen (bis hin zu einem dissoziativer Stupor), andere mit Überaktivität und Unruhe (bis hin zu einer Fluchtreaktion oder dissoziativen Fugue). Begleitet wird dieser Zustand von charakteristischen Angstsymptomen wie Herzrasen, Schwitzen, Erröten und Übelkeit. Es kommt vor, dass sich Betroffene nicht oder nur teilweise an das Trauma erinnern können (dissoziative Amnesie). Häufig leiden Betroffene an Schuldgefühlen überlebt zu haben oder nicht genug geholfen zu haben, wenn bei dem traumatischen Ereignis Menschen zu Tode gekommen sind.

Weitere Informationen zu den verschiedenen psychischen Erkrankungen finden Sie im Bereich Wissen.

Verlauf

Bei der akuten Belastungsreaktion treten die Beschwerden meist innerhalb von Minuten nach dem traumatisierenden Erlebnis auf, beginnen nach 24-48 Stunden abzuklingen und sind gewöhnlich nach drei Tagen kaum noch vorhanden. Eine akute Belastungsreaktion hat keinen Krankheitswert und kann als normale Reaktion auf eine außergewöhnlich schwere psychische Belastung verstanden werden.

Bei der Belastungsstörung dauern die Symptome bis zu vier Wochen an. Zusätzlich zu den akuten Angstsymptomen wird das Trauma in der Erinnerung, in Träumen oder Nachhallerinnerungen ständig wiedererlebt und in Folge dessen werden alle Reize, die an das Trauma erinnern könnten, vermieden. Außerdem treten Symptome von Übererregbarkeit auf, wie z.B. Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und motorische Unruhe.

Wenn die Symptome länger als vier Wochen anhalten, kann eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden. Ca. 80% der Personen, die nach einem Autounfall oder Gewaltverbrechen eine akute Belastungsstörung zeigten, entwickelten nachfolgend eine Posttraumatische Belastungsstörung.

Zahlen

Es gibt nur wenige Studien über die Prävalenz der akuten Belastungsstörung. Es wird angegeben, dass zwischen 14% und 33% aller Personen nach einem schweren Trauma eine Belastungsstörung zeigen.

Subtypen

Bei diesem Störungsbild werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Die psychische Beeinträchtigung nach einem traumatischen Ereignis kann als normale Reaktion auf eine außergewöhnlich schwere Belastung gewertet werden, die nicht therapiebedürftig ist. Die Notfallseelsorge und Notfallpsychologen beraten und stützen Betroffene (Opfer, Angehörige, Beteiligte, Helfer) in Krisensituationen. Diese Unterstützung kann es den Betroffenen erleichtern die traumatischen Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten.

Eine Krisenintervention erfolgt in mehreren, aufeinander aufbauenden Schritten. Dazu gehört es zunächst, den Anlass bzw. den Auslöser der Krise zu verstehen und eine gemeinsame Krisendefinition zu erarbeiten. In weiteren Schritten sollen die Gefühle ausgedrückt werden, Bewältigungsstrategien reaktiviert bzw. Ressourcen gestärkt werden, eine Konfrontation mit der Realität stattfinden, nach neuen Lösungen gesucht werden und abschließend Bilanz gezogen werden. Gehen die Symptome innerhalb der ersten Wochen nach dem Trauma nicht zurück, bzw. treten mit zeitlicher Verzögerung Symptome wie das Wiedererleben des Traumas auf, ist es ratsam von professioneller Seite zu prüfen, ob eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt.

Hilfe

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Wenn Sie typische Symptome der akuten Belastungsreaktion bzw. akuten Belastungsstörung bei sich oder Ihnen nahestehenden Personen wiedererkennen, können Sie sich bei psycheplus Gewissheit verschaffen. Der psycheplus Premiumtest kann anonym und ohne Vorwissen durchgeführt werden und entspricht höchsten wissenschaftlichen Standards. Mit seiner Hilfe können Sie herausfinden, ob möglicherweise eine Tendenz oder ein Verdacht auf eine akute Belastungsreaktion bzw. akute Belastungsstörung vorliegt und wie Sie mit den psycheplus Selbsthilfetipps aktiv dagegen steuern können. Erfahren Sie hier mehr über den psycheplus Premiumtest.

Weiterführende Links

Spektrum.de: Akute Belastungsstörung

Springer: Akute Belastungsstörung und Anpassungsstörung