Nichtorganische Insomnie (Schlaflosigkeit)

Merkmale

Wesentliches Merkmal der Insomnie sind Beschwerden über Ein- bzw. Durchschlafschwierigkeiten oder eine schlechte Schlafqualität, d.h. einen nicht erholsamen Schlaf, der über mindestens einen Monat lang auftritt. Personen mit Schlafstörungen klagen am häufigsten über Einschlafstörungen, gefolgt von Durchschlafstörungen. Seltener ist die ausschließliche Beeinträchtigung durch einen nicht erholsamen Schlaf verbunden mit dem Gefühl, der Schlaf sei ruhelos und oberflächlich. Häufig treten die verschiedenen Beschwerden in Kombination auf und verändern sich mit der Zeit. Bei der Diagnose einer nichtorganischen Insomnie ist darauf zu achten, dass sich die Schlafkontinuität und -tiefe mit fortschreitendem Alter natürlicherweise verschlechtern und dass manche Menschen nur wenig Schlaf brauchen (sogenannte Kurzschläfer), ohne dass sie sich deshalb als schlafgestört betrachten. Patienten mit Insomnie beschäftigen sich überwiegend mit der Schlafstörung und deren negativen Konsequenzen, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Je mehr sich die Person darum bemüht zu schlafen, desto verzweifelter und belasteter ist sie und umso schwieriger wird es für sie tatsächlich zu schlafen. Betroffene fühlen sich zur Schlafenszeit angespannt, ängstlich, besorgt oder depressiv, da sie die Erwartung haben wieder einmal nicht schlafen zu können. Da die Anspannung und die Misserfolgserwartung häufig an das eigene Bett gebunden sind, in dem man schon viele schlaflose Nächte verbracht hat, kann es sein, dass der Betroffene leichter einschläft, wenn er außerhalb des eigenen Schlafzimmers schläft oder nicht bewusst versucht einzuschlafen (z.B. während des Fernsehens oder Lesens). Daher entwickeln Betroffene oft unangepasste Schlafgewohnheiten.

Chronische Insomnie kann dazu führen, dass sich die Betroffenen morgens körperlich und geistig müde fühlen und tagsüber besonders angespannt, besorgt und reizbar sind. Darüber hinaus sind Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation herabgesetzt. Häufig greifen Betroffene zu Alkohol oder Medikamenten, um ihre innere Anspannung zu bekämpfen. Die ungenügende Schlafdauer oder -qualität verursacht einen deutlichen Leidensdruck oder wirkt sich negativ auf die Alltagsaktivitäten des Betroffenen aus. Die übermäßige Beschäftigung mit den Schlafproblemen, die Reizbarkeit und die verminderte Konzentration tagsüber können soziale und berufliche Probleme mit sich bringen. Ebenso kann es aufgrund der erhöhten Unaufmerksamkeit vermehrt zu Unfällen kommen. Die Leistungsfähigkeit ist als Folge der Insomnie beeinträchtigt und die Leistungen des Gesundheitssystems werden häufiger in Anspruch genommen.

Oftmals treten Schlafstörungen in Kombination mit einer affektiven Störung (z.B. Depression), einer Angststörung oder einer Störung im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen auf. Nicht selten nehmen Betroffene Medikamente, um ihr Schlafproblem in den Griff zu bekommen: Schlafmittel oder Alkohol, um besser einzuschlafen, angstlösende Mittel, um die Anspannung und Ängstlichkeit zu reduzieren und Koffein und andere anregende Stoffe, um die Müdigkeit tagsüber zu bekämpfen.

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Verlauf

Eine Insomnie entwickelt sich meist im Zusammenhang mit einer psychischen, sozialen oder krankheitsbedingten Belastung. Der Teufelskreis aus wiederholt erlebter Schlaflosigkeit und der intensiven Beschäftigung mit den negativen Konsequenzen führt häufig zu einer Chronifizierung.

Üblicherweise beginnt eine Insomnie im jungen Erwachsenenalter oder mittleren Lebensalter. Selten kann eine Insomnie bis in die Kindheit zurückverfolgt werden. Der Verlauf der nichtorganischen Insomnie ist unterschiedlich. Es gibt Betroffene, die nur in einer Phase von einigen Monaten, meist ausgelöst durch eine Belastungssituation, an einer Insomnie leiden. Bei über der Hälfte der Betroffenen hält die Symptomatik länger als ein Jahr an. Der größte Risikofaktor erneut an einer Insomnie zu erkranken, ist eine frühere Insomnie. In Abhängigkeit von bestimmten Lebensereignissen kann sich die Schwere der Symptomatik verbessern oder verschlechtern.

Zahlen

Eine nichtorganische Insomnie tritt bei bis zu 10% der erwachsenen und bis zu 25% der älteren Bevölkerung auf. In Fachkliniken liegt die Prävalenz bei 15- 25%. Insomnie tritt mit zunehmendem Alter und bei Frauen häufiger auf.

Subtypen

Bei diesem Störungsbild werden keine Subtypen unterschieden.

Therapie

Es gibt eine ganze Reihe von schlafspezifischen Therapiemöglichkeiten. Zunächst werden dem Patienten die Regeln des gesunden Schlafes vermittelt (Schlafhygiene). Dazu zählen z.B. feste Aufsteh- und Bettgehzeiten und kein Alkohol oder Kaffee vor dem Schlafen.

Eine weitere wichtige Grundlage für die Therapie einer Schlafstörung, wie der nichtorganischen Insomnie, sind gründliche Informationen und die Aufklärung des Patienten (Schlafedukation) zu folgenden Fragen:

  • Was ist eigentlich normaler, gesunder Schlaf?
  • Wie genau ist mein eigener Schlaf beschaffen?
  • Welche Ursachen gibt es für meine Schlafprobleme?

Zu den wirkungsvollsten nichtmedikamentösen Therapieverfahren zählt die Schlafrestriktionstherapie. Sie beruht darauf, dass die Schlafenszeit bzw. die Zeit, die im Bett verbracht wird, beschränkt wird. Dieser teilweise Schlafentzug hat einen schlaffördernden Effekt. (Nicht zu verwechseln ist diese Form der Therapie mit der Schlafentzugstherapie bei Depressionen). „Schlafkompression“ bezeichnet eine abgeschwächte Form der Schlafrestriktionstherapie.

Auch die sogenannte Stimulus-Kontrolle hat sich als sehr wirkungsvoll gegen Insomnie erwiesen. Dabei geht es darum, sein Verhalten im Bett zu verändern. Patienten mit Schlafstörungen zeigen bestimmte Verhaltensweisen, wie Fernsehen, Lesen, Essen, aber auch Grübeln, sich ärgern, wach liegen und sich Sorgen machen. Dies führt mit der Zeit dazu, dass das Bett zu einem Ort wird, der mehr und mehr mit diesen zumeist aktivierenden bzw. wach-machenden Tätigkeiten als mit Schlafen verbunden ist. Diese Assoziationen festigen sich auf Dauer immer mehr und führen dazu, dass der Patient bereits beim Gedanken ans Zubettgehen mit körperlicher Aktivierung (z.B. erhöhter Blutdruck) reagiert oder spätestens, wenn er sich hinlegt plötzlich hellwach ist.

Neben diesen speziellen Therapiemethoden kommt auch die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie zum Einsatz. Dabei wird versucht das negative, unrealistische Denken des Patienten zu verändern. Beispielsweise soll der Gedanke „es ist furchtbar, dass ich schon wieder wach liege“, soweit verändert werden, dass der Patient denkt „es ist normal, dass man nachts mal wach liegt. Vielleicht schlafe ich ja gleich wieder ein und wenn nicht, ist es auch keine Katastrophe“. Natürlich ist es ein langer Prozess vom Aufspüren der schlafbehindernden Gedanken bis zu deren Veränderung und Stabilisierung. Letztendlich soll dadurch erreicht werden, dass sich Gefühle wie Ärger und Anspannung verringern und das nächtliche Grübeln des Patienten durchbrochen wird.

Auch Entspannungstechniken werden bei Insomnie erfolgreich eingesetzt, da diese dazu beitragen, dass das erhöhte Erregungsniveau, das sich z.B. in Muskelverspannung, Unruhe und Nervosität äußert, verringert wird. Zu den bekanntesten gehören die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und das Autogene Training.

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