Demenz

Merkmale

Das Hauptmerkmal einer Demenz ist die Entwicklung unterschiedlicher kognitiver Defizite. Die Beeinträchtigungen betreffen neben der Gedächtnisstörung auch andere Bereiche, wie das Denken, die Orientierung, die Sprache (Aphasie), das Urteilsvermögen, die Lernfähigkeit, das Rechnen, die Ausführung zielgerichteter motorischer Bewegungen (Apraxie), eine Unfähigkeit Dinge wiederzuerkennen (Agnosie) sowie die exekutiven Funktionen, d.h. Planen, Organisieren oder Einhalten einer logischen Reihenfolge.

Die Gedächtnisstörung betrifft charakteristischerweise die Aufnahme, das Speichern und die Wiedergabe neuer Informationen, also Funktionen des Kurzzeitgedächtnisses. In späteren Krankheitsstadien einer Demenz kann auch das Langzeitgedächtnis betroffen sein, was sich durch einen Verlust von früher gelerntem oder bekanntem Material zeigt. Die ersten auffälligen Anzeichen der Vergesslichkeit sind das Verlieren persönlicher Gegenstände, wie der Brieftasche, das Vergessen von Speisen auf dem Herd oder das Vergessen von Terminen und Verabredungen. Die Gedächtnisstörung kann so schwer sein, dass die von Demenz betroffene Person biographische Informationen, wie ihren Beruf, ihren Geburtstag oder sogar ihren eigenen Namen vergisst und sich nicht an Familienangehörige erinnern kann. Oftmals haben Betroffene Schwierigkeiten sich zu orientieren, in späteren Krankheitsstadien sogar in einer bekannten Umgebung, wie der eigenen Wohnung.

Sprachliche Beeinträchtigungen können sich durch die Schwierigkeit zeigen, Personen oder Dinge zu benennen. Ebenso können Betroffene Probleme haben, gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen oder diese zu wiederholen. In späteren Stadien der Demenz kann Stummheit auftreten oder ein Sprachmuster, bei dem Betroffene nur das nachsprechen, was sie hören (Echolalie) oder einzelne Wörter oder Klänge ständig wiederholen (Palilalie).

Eine Apraxie (also die beeinträchtigte Fähigkeit zielgerichtete motorische Fähigkeiten auszuführen, obwohl die Motorik, Sensorik und das Aufgabenverständnis nicht gestört sind) kann sich beispielsweise beim Haarekämmen, Kochen oder Anziehen zeigen.

Die Beeinträchtigung des Urteilsvermögens und der Einsichtsfähigkeit kann sich darin äußern, dass Betroffene beispielsweise unpassende Kleidung anziehen (z.B.Wintermantel im Sommer), völlig unrealistische und angesichts ihrer Prognose inadäquate Pläne schmieden (z.B. neue Geschäftsideen) oder Risiken (z.B. Autofahren) unterschätzen. Die Verschlechterung der Lernfähigkeit zeigt sich beispielsweise im Unvermögen neue Dinge wie ein Spiel oder eine Sprache zu lernen. Probleme beim Rechnen zeigen sich im Alltag beim Einkaufen oder beim Prüfen von Rechnungen. Auch die Entwicklung einer Agnosie (eingeschränkte Fähigkeit Objekte zu identifizieren, obwohl die Sensorik nicht gestört ist) ist bei einer Demenz häufig und äußert sich dadurch, dass Betroffene irgendwann selbst bekannte, alltägliche Gegenstände wie einen Stuhl oder Besteck nicht wiedererkennen. In späten Krankheitsstadien können sogar Familienmitglieder oder das eigene Spiegelbild nicht mehr erkannt werden. Auch das Erkennen von Gegenständen durch Berührung oder Ertasten (z.B. Schlüssel) kann gestört sein, obwohl die taktile Reizverarbeitung an sich nicht gestört ist. Die Exekutivfunktionen umfassen höhere kognitive Denkprozesse, wie das Setzen von Zielen, die Entscheidung für Prioritäten, die Impulskontrolle, die Aufmerksamkeitssteuerung sowie das Planen, Beginnen, Fortführen, Kontrollieren und die Unterbrechung von zielgerichteten Handlungen. Betroffene haben Probleme damit, komplexe Aufgaben oder Handlungen zu bewältigen, den geistigen Bezugspunkt zu wechseln oder Bewegungen in einer festgelegten Reihenfolge auszuführen.

Neben der Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen zeigen von Demenz betroffene Personen meist Veränderungen ihrer Persönlichkeit und im emotionalen und sozialen Bereich. So kann eine reduzierte Motivation, enthemmtes oder aggressives Verhalten, Vernachlässigung der Körperpflege, sozial unangepasstes Verhalten, sozialer Rückzug und Desinteresse auftreten. Daneben kommt es zu Schwierigkeiten die persönlichen alltäglichen Anforderungen, wie Waschen, Ankleiden, Kochen, Essen, persönliche Hygiene und Benutzung der Toilette, zu erfüllen.

Eine Demenz tritt häufig in Kombination mit Angststörungen, affektiven Störungen oder Schlafstörungen auf. Nicht selten treten Wahnvorstellungen (besonders Verfolgungswahn) und Halluzinationen (besonders optische Halluzinationen) auf. Bei der Demenz finden sich keine qualitativen Bewusstseinsstörungen (der Betroffene ist also bei vollem Bewusstsein), es sei denn ein Delir überlagert die dementielle Erkrankung – was häufig der Fall ist. Eine Demenzerkrankung erhöht darüber hinaus die Empfindlichkeit auf körperliche und psychosoziale Belastungen (z.B. Operation oder Einweisung ins Krankenhaus).

Verlauf

Der Begriff Demenz impliziert einen fortschreitenden, irreversiblen Verlauf, sie kann jedoch auch in einem bestimmten Stadium stehenbleiben oder zurückgehen. Der Beginn und der Verlauf einer Demenz hängen von der ursächlichen Erkrankung und einer rechtzeitigen Behandlung ab. Wie schwer Betroffene im Alltag beeinträchtigt sind hängt zudem, neben dem Ausmaß der kognitiven Störungen, maßgeblich von der sozialen Unterstützung ab. In späteren Krankheitsstadien besteht meist eine starke Pflegebedürftigkeit.

Zahlen

Studien zur Prävalenz der Demenz in Deutschland und anderen Industrienationen fanden Zahlen zwischen 6% und knapp 9% der über 65-Jährigen. Davon leiden zwei Drittel an einer Demenz des Alzheimer-Typus, gefolgt von der vaskulären Demenz. Nicht selten treten beide Krankheitsfaktoren gemeinsam auf. Unter 65 Jahren sind nur 3% an einer Demenz erkrankt, während die Häufigkeit bei den über 90-Jährigen auf über 30% ansteigt.

Subtypen

Eine Demenz kann verschiedene medizinische Krankheitsfaktoren als Ursache haben:

Therapie

Die Therapie der Demenz sollte aus einer Kombination aus medikamentöser und nicht medikamentöser Behandlung bestehen.

Wichtige Grundsätze der nichtmedikamentösen Behandlung sind die geistige und körperliche Forderung der Patienten und ein verständnis- und respektvoller Umgang mit den Kranken. Ziel der Forderung (nicht Überforderung!) ist es, die Selbstständigkeit des Patienten so lange wie möglich zu erhalten. Um die Beweglichkeit zu fördern, hat sich leichtes Bewegungstraining als günstig erwiesen. Genauso können Aktivitäten wie Wandern, Spazierengehen, Schwimmen, Tanzen oder fernöstliche Methoden wie Qigong oder Tai Chi förderlich sein. Der geistige Abbau kann z.B. durch Lesen oder Gespräche verzögert werden. Der an Demenz Erkrankte sollte so lange wie möglich in das alltägliche Leben und Entscheidungen miteinbezogen werden.

Bei voranschreitender Beeinträchtigung im kognitiven Bereich und Veränderung der Persönlichkeit ist es besonders wichtig respektvoll und wertschätzend mit dem Erkrankten umzugehen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Demenzkranke brauchen viel emotionale Zuwendung, Sicherheit und Stabilität, da der Abbauprozess für die Betroffenen sehr beängstigend und verunsichernd sein kann.

Die Validationsmethode nach Feil hat sich als sehr günstig im Umgang mit an Demenz Erkrankten erwiesen. Die Methode zielt darauf ab, dass man als Pflegender die Realität des Erkrankten annimmt, auch wenn es manchmal schwer fällt, bestimmte Verhaltensweisen oder Reaktionsweisen nachzuvollziehen. Die Methode vermittelt, dass die Gefühle und das Verhalten des Kranken „für gültig erklärt“ und wertgeschätzt werden sollen.

Hilfe

Therapeutensuche

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Hilfsorganisationen

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und ihre Mitgliedsgesellschaften helfen Demenzkranken und ihren Angehörigen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist Träger der Allianz für Menschen mit Demenz. Dort finden sich weitere Angebote und Informationen für Betroffene.

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